29.07.2012

http://www.blick.ch/news/schweiz/bern/lillis-neues-glueck-mit-liliput-id1979791.html

Das Kalb mit den sechs Beinen
Lillis neues Glück mit Liliput


Das Schicksal von Lilli, dem Kälbchen mit sechs Beinen, bewegte die Schweiz. Nach seiner Operation ist es in einem Gnadenhof untergekommen – und hat sich verliebt.



Lilli kam im Februar mit sechs Beinen zur Welt. Die zwei Glieder, die vom Rücken herabhingen, entfernten ihr Ärzte im Berner Unispital. Foto: Thomas Lüthy



Michael Aufhauser nahm Lilli auf seinem Gnadenhof auf. Er beherbergt insgesamt 4000 Tiere. Foto: Thomas Lüthy



Nach seiner Operation ist es in einem Gnadenhof untergekommen. Foto: Thomas Lüthy


Kaum ist die Leine gelöst, springt Lilli los. Von links nach rechts hopst das Jungrind über die Weide, springt hoch, schlägt mit den Hinterläufen aus. Fröhlich lässt es ein lautes ­«Muuuh» über den Hof schallen. Nichts deutet auf die bewegten Monate hin, die das Tier hinter sich hat.


Im Februar kam Lilli im bernischen Weissenburg zur Welt. Bei ihrer Geburt staunte nicht nur der Bauer: Die Kleine hatte sechs Beine, ein Paar baumelte vom Rücken herunter. Sofort wurde das Sim­mentaler Kälbchen zur Berühmtheit, die Schweizer schlossen es ins Herz. Tierschützerin Edith Zellweger (57) kaufte Lilli dem Bauern ab, sorgte dafür, dass die Missbildungen am Unispital Bern wegoperiert wurden. «Danach habe ich ­einen Platz für sie gesucht und wurde in Österreich fündig. Ich bin sicher, sie hat es toll auf dem Gut Aiderbichl», sagt Zellweger.


Lilli hat sich inzwischen ausgetobt. Jetzt hält sie gebannt Ausschau nach Liliput (4), dem kleinwüchsigen Stier. «Er ist der erste Mann in Lillis Leben. Sie fühlt sich zu ihm hingezogen, denn er gibt ihr Sicherheit», erklärt Michael Aufhauser. Der Österreicher hat Gut Aiderbichl vor 20 Jahren aufgebaut. Damals hatte der Produkteentwickler gemerkt, dass ihn Geld allein nicht glücklich macht. Er hängte seinen Job an den Nagel und gründete Gut Aiderbichl. Heute beherbergt der Gnadenhof östlich von Salzburg 4000 Tiere. Er lebt von Spenden.


Alle Tiere haben etwas gemeinsam. «Sie wurden von Menschen ausgemustert und hätten keine Zukunft mehr gehabt», sagt Aufhauser. Dazu gehören neben Kalb Lilli auch die ehemaligen Jahrmarktpferde Toni und Zenzi sowie Strassenhund Aik, der in der Türkei als Fussball missbraucht wurde (siehe oben).


Stolz betritt nun auf kurzen Beinen Stier Liliput die Weide. Unter den Augen von Dutzenden von Besuchern grasen er und Lilli friedlich nebeneinander. «Sie hat sich in ihrer ersten Woche gut eingelebt und fühlt sich wohl. Das Publikum stört sie nicht», sagt Aufhauser. «Lilli ist eine typische Schweizer Dame: ruhig und würdevoll. Und Liliput ist ihr österreichischer Kraftprotz.»


Heute ist Lilli eine normale junge Kuh. Nur eine Narbe am Rücken zeugt von ihrer Vergangenheit. Foto: Thomas Lüthy

Das Paar ist ein Publikumsmagnet. «Wahrscheinlich hätten wir noch mehr Besucher, hätten wir Lilli die sechs Beine gelassen», sagt Aufhauser. Aber darum geht es nicht. Sie soll bei uns einfach ein glückliches Leben führen.» Nach ­einer Stunde ist das Dinner von Lilli und Liliput vorbei. Ihre Lieblingsspeisen: Kraftfutter, Apfelstücke, Gras. Sehnsüchtig schaut Lilli ihrem neu gewonnenen Freund nach: «Zu lange dürfen sie nicht zusammen sein. Sie ist noch zu jung, er soll sie noch nicht decken.»


Dafür darf nun Kälbchen Pippilotta, Lillis beste Freundin, auf die Weide. Aufhauser: «Eine Schweizer Schulklasse hat sich für sie eingesetzt und dafür gesorgt, dass sie nicht geschlachtet wird.»


Bald sind die Tiere müde vom Herumtollen und legen sich an ­einem schattigen Plätzchen nieder. Aufhauser schaut glückselig zu: «Sie sind völlig verschieden und verstehen sich doch so gut. Wir Menschen können noch so viel von den Tieren lernen.

 

 

 

Auf dem Hof von Andreas Knutti wurde Lilli geboren. PETER GERBER
Uni-Klinik Bern entfernt die zwei überzähligen Beine

Lilli ist bald ein ganz normales Kalb
Das Schicksal von Lilli (4½ Monate) bewegte die Schweiz. Das Kalb von Bauer Andreas Knutti (46) aus dem Simmental kam mit sechs Beinen auf die Welt. Ein Paar wächst ihm aus dem Rücken.
Publiziert: 16.06.2012

Bald normal: Kalb Lilli – Schweiz – Blick


Lilli in der Wiederkäuerklinik kurz vor dem Röntgen. PETER GERBER

Lilli wird von Tierarzt Zanolari gründlich untersucht. Die neue Besitzerin Edith Zellweger beruhigt das Kalb. PETER GERBER

Tierarzt Patrik Zanolari erklärt die Röntgenbilder, die er von Lillis überzähligen Beinen gemacht hat. PETER GERBER
Die bekannte Tierschützerin Edith Zellweger (57) aus Salez SG hat sich Lillis angenommen. «Ich habe sie dem Bauern für 1800 Franken abgekauft. Ich will ihr ein langes Leben schenken. Sie muss operiert werden, damit sie später keine Probleme bekommt», sagt Zellweger. Damit Lilli ein ganz normales Kalb werden kann, muss die Missbildung entfernt werden.
Am Donnerstag wurde Lilli in die Wiederkäuerklinik der Vet­suisse-Fakultät der Universität Bern gebracht. Problemlos lässt sich das Kalb erst wägen und dann in den Untersuchungsraum führen. Der zuständige Tierarzt Patrik Zanolari (41) nimmt das Kalb unter die Lupe. Er misst Fieber, tastet und hört sie ab. «Ich habe die Organe kontrolliert. Es dürfte alles in Ordnung sein. Aber erst nach einer Blutuntersuchung weiss ich mehr», so Zanolari.
Nächste Station ist der Röntgensaal. «Wir müssen herausfinden, wie viel wir von den Beinen wegnehmen können», sagt Zanolari. Der Tierarzt ist sich sicher: «Bei der Missbildung von Lilli handelt es sich mit gros­ser Wahrscheinlichkeit um einen Zwilling. Die Beine sind vollständig ausgebildet und wachsen mit.» Das könnte Lilli in Zukunft Probleme machen. «Die Beine werden immer schwerer. Die Wirbelsäule könnte sich noch weiter deformieren», sagt Patrik Zanolari.
Denn die Wirbelsäule ist Lillis eigentliches Problem: Der vordere Teil ist stark verkrümmt. «Wichtig ist, dass man die Wirbelsäule immer wieder kontrolliert», erklärt der Tierarzt.
Die Computertomografie ergibt, dass die Gliedmassen bis zur Wirbelsäule reichen. Die Beine können so vermutlich nur zu 80 Prozent abgetrennt werden. Die Operation wird in den nächsten zwei Wochen stattfinden. «Sie dauert ungefähr drei bis vier Stunden. Lilli bekommt eine Vollnarkose.»
Wenn alles vorbei ist, darf das Kälbli aufatmen. Edith Zellweger hat Lilli einen Platz auf Gut Aiderbichl in Österreich besorgt. Der Gnadenhof übernimmt auch die Kosten der OP. «Dort soll es Lilli bis zum Ende ihrer Tage gut gehen. Das hat sie sich verdient», sagt Zellweger.

 


Sechsbeinige Lilli wird dank OP ein Kalb wie jedes andere

Sechsbeinige Lilli wird dank OP ein Kalb wie jedes andere
Simmentaler-Kalb Lilli ist ein spezielles Kalb. Mit seinen sechs Beinen wurde es schweizweit bekannt. Eine Tierschützerin kaufte das Tier dem Bauern ab. Lilli wird nun im Tierspital operiert und soll danach in Österreich ihren Lebensabend verbringen.

Kalb Lilli gefiel es bei der Familie Knutti in Weissenburg im Simmental ausgezeichnet. / Bild: Fritz Leuzinger

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Aussergewöhnliche Geburt – Kalb Lilli hat sechs Beine

Bauer Andreas Knutti aus Weisseburg im Simmental staunte nicht schlecht, als Kuh Edelweiss Anfang Februar ein Kuhkalb mit sechs Beinen auf die Welt brachte. Für ihn war aber sofort klar, dass das Tier unbedingt leben wollte. Zusammen mit seiner Familie wollte er trotz Bedenken des Tierarztes dem jungen Simmentaler-Kalb eine Chance geben. Als Ursache der aussergewöhnlichen Geburt wird ein Zusammenwachsen von Zwillings-Embryonen zu einem Tier vermutet.
Überzählige Beine müssen entfernt werden
An Lillis Rücken hangen zwei Beine. An der Stelle, wo diese in den Körpers des Tieres übergehen, besteht eine Art Loch. Gravierend ist die Deformierung der Wirbelsäule. Trotz dieser Behinderung tollte das Kalb mit seinen Artgenossen auf der Weide hin und her. Bauer Knutti wollte das Tier sogar mit auf die Alp nehmen, sofern es gesund bleibt. Der Medienhype indessen war gross. TV, Radio, Zeitungen und Onlineportale wie schweizerbauer.ch berichteten über das Berner Oberländer-Kalb.
Tierschützerin Edith Zellweger aus Salez SG hat nun die 4 ½ Monate alte Lilli von Andreas Knutti für 1800 Franken abgekauft, schreibt der „Blick“ in seiner Montagsausgabe. Die Missbildungen müssten operiert werden, damit Lilli später keine Probleme bekomme, fährt sie fort.
OP im Tierspital Bern
Am vergangenen Donnerstag wurde nun die junge Kuhdame ins Tierspital Bern gefahren. Tierarzt Patrik Zanolari hat bei Lilli erste Untersuchungen vorgenommen. So seien sämtliche Organe in Ordnung, doch müsse man noch auf die Blutwerte warten. Das Röntgen soll ersichtlich machen, wie viel von den beiden Beinen auf dem Rücken entfernt werden kann. Da diese mit dem Wachstum immer schwerer werden, deformiert sich die Wirbelsäule zusätzlich.
Nach dem Auswerten der Computertomographie wurde ersichtlich, dass die Beine nur zu 80 Prozent abgetrennt werden können. In den kommenden zwei Wochen soll Lilli während drei bis vier Stunden operiert werden, berichtet der „Blick“.
Lilli wird mit Kuh Yvonne alt werden
Bezahlt werden die OP-Kosten vom Gut Aiderbichl, einem "Gnadenhof" in Österreich. Dort soll Lilli auch ihren Lebensabend verbringen. Sie wird in Österreich auf Kuh Yvonne treffen, die durch ihre Flucht im Sommer 2011 europaweit Bekanntheit erlangte.