Bauer Bruno D. im Rheintal

«Ich esse lieber Hunde als Katzen!»

Von Lorenz Honegger | 03:29 | 10.08.2008

Bauer Bruno D.* (62) isst für sein Leben gern Hundefleisch – zum Abendessen oder zum Zvieri. Katzen mag er weniger: «Die haben zu wenig Fleisch am Knochen.»

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Ungeniessbar Bauer Bruno D. mit Hund: «Luki ist zu alt zum Essen.» (Lorenz Honegger)

Tierfreunde aus dem In- und Ausland sind entrüstet: «Schweizer essen Katzen!», berichtete SonntagsBlick. Viele Leserbriefe landeten im Redaktionsbriefkasten; in Internetforen wird das Thema heftig diskutiert.

Bauer Bruno D. aus dem St. Galler Rheintal versteht die ganze Aufregung nicht. Für ihn sind Katzen- oder Hundebraten so normal wie ein Kalbs- oder Schweinskotelett. «Er ist mir als Hundeesser bekannt», sagt Tierschützerin Edith Zellweger.

SonntagsBlick trifft D. in seinem Stall beim Melken: «Ich esse mindestens einmal im Jahr geräucherten Hund», erzählt er, «früher noch viel häufiger.» Meistens sind es die überschüssigen jungen Hunde vom eigenen Hof, die er nicht sofort tötet, sondern verspeist, wenn sie maximal ein Jahr alt sind – dann schmecken sie, laut D., am besten.

Sein Hund, der ihm auf Schritt und Tritt folgt, ist also nicht in Gefahr: «Luki würde ich sicher nicht verspeisen, er ist viel zu alt und zu zäh.»

Hundegulasch und Trockenfleisch

D. kennt verschiedene Zubereitungsarten: Als Gulasch würden Hunde vorzüglich schmecken, auch geräuchert; das sehe dann aus wie Bündnerfleisch. Was denn das für eine Fleischsorte sei, wollte ein Kollege von D. einmal wissen, nachdem sie zusammen davon gegessen hatten. «Ich streckte meinem Hund ein Stück davon hin. Der schnupperte kurz und rannte dann weg wie der Blitz!», so D.

Einen «Hundeplausch» nennt D. diese speziellen Mahlzeiten, und die hätten erst noch einen schönen Nebeneffekt: «Aus jedem Hund gibts einen Teppich.» Katzen habe er auch schon probiert, doch da sei zu wenig Fleisch am Knochen: «Ich esse lieber Hunde als Katzen», sagt der alte Bauer.

Auch ein Metzger aus einem nahe gelegenen Dorf weiss, dass in seiner Region noch immer Hunde- und Katzenfleisch gegessen wird. Er will sicherheitshalber anonym bleiben. «Schon mehrmals sind Leute zu mir gekommen, die mich baten, ihre Katze zu schlachten. Ich lehnte ab, so etwas mache ich nicht!», sagt er bestimmt.

Leuthard soll handeln

Die Schweiz ist neben China und Südkorea eines der wenigen Länder, wo der Verzehr von Haustieren legal ist. Hansjörg Walter (57), SVP-Nationalrat und Bauernverbands-Präsident: «Klar wird das in gewissen Regionen immer noch gemacht, meist von älteren Leuten. Ich selber kann aus Gewissensgründen nicht einmal Pferdefleisch essen.» Dennoch hält der Parlamentarier nichts von einem Verbot. «Wichtig ist, dass beim Schlachten von Hunden und Katzen die Tierschutzgesetze eingehalten werden», findet er.

Auch Politiker anderer Parteien teilen seine Ansicht. Nationalrätin Kathy Riklin (CVP/ZH, 55) findet, dass sich kein Kontrollaufwand lohnen würde: «Wer es mit seinem Gewissen vereinbaren kann, das eigene Haustier zu essen, soll das tun. Wir können doch nicht alles verbieten!»

Tomi Tomek (55), Präsidentin der Westschweizer Organisation SOS, stockt der Atem, wenn sie solche Politiker-Sätze hört. Wie «Le Matin» am Freitag berichtete, hat sie Bundesrätin Doris Leuthard (45, CVP) einen Brief geschrieben: «Frau Leuthard, wir zählen auf Sie und hoffen, dass der Konsum von Katzenfleisch in der Schweiz wie in allen zivilisierten Ländern verboten wird!»

*Name der Redaktion bekannt

Olympiade: Hundefleisch verboten

Hundefleisch gilt im Reich der Mitte als besonders gesund und nahrhaft, die Chinesen lieben das «duftende Fleisch», wie sie es nennen. Damit ist jetzt Schluss, zumindest während der Olympischen Spiele. So wollen es die Behörden Pekings. Ausländischen Besuchern soll der Anblick von gegrillten Hunden erspart werden. Den Betreibern der 112 offiziellen Olympia-Restaurants ist es strikt verboten, Hundefleisch anzubieten. Allen anderen Restaurants wird der Verzicht «stark empfohlen». «Wenn ein Gast Hundefleisch bestellen will, dann sollte ihm das Restaurantpersonal geduldig ein anderes Gericht empfehlen», sagt ein Sprecher des Pekinger Tourismusbüros. Restaurantbetreiber, die sich nicht daran halten, werden mit Strafen belegt – Höhe unbekannt. In der traditionellen chinesischen Medizin ist die Verwendung von Hundefleisch weiterhin erlaubt, sofern es auf der Verpackung deutlich vermerkt ist.

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Aktiv Edith Zellweger kämpft seit 24 Jahren für das Wohl der Tiere. (Lorenz Honegger)

Tierschützerin Edith Zellweger (54) aus Salez SG rettet seit Jahren Hunde und Katzen vor dem Kochtopf.

Frau Zellweger, warum essen Schweizer heute noch Hunde und Katzen?
Edith Zellweger:
Es ist eine Tradition wie das Jodeln oder der Alpaufzug – und zugleich eine Schande. In der Schweiz werden jährlich Tausende Hunde und Katzen gegessen.

Warum ist es bisher nicht verboten worden?
Das ist ein politisches Problem. Was kann man von den lokalen und nationalen Politikern erwarten, wenn man weiss, dass viele von ihnen selber Hunde essen? Gar nichts! In der Schweiz wird einfach alles unter den Tisch ­gewischt.

Was tun Sie dagegen?
Ich versuche, die betroffenen Tiere freizukaufen. Viele Bauern wissen das und melden sich bei mir, wenn sie einen Hund schlachten wollen. Sie verlangen Geld – bis zu 1000 Franken. In extremen Fällen befreie ich die Tiere illegal, Gesetze können mich nicht daran hindern.

Ist es denn schlimmer, eine Katze zu essen als ein Rind oder ein Pferd?
Ich als strenge Veganerin unterscheide nicht zwischen Katze und Rind, wir dürfen Tiere nicht essen, wir haben kein Recht dazu. Mein Vater war Metzger, mein Bruder ebenfalls. Sie sind wie alle Metzger Tiermörder.

 

20 minuten

Akt. 11.08.08; 10:00 Pub. 10.08.08; 21:56

«Ich bin nicht der Einzige, der Hunde isst»

von Felix Burch

Bauer B.H.* isst gerne geräuchertes Hundefleisch. Er ist bei weitem nicht der Einzige. Darüber sind Tierschützer empört.

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Die Tierschützerin Edith Zellweger verurteilt, dass in der Schweiz noch Hunde gegessen werden.

In der Schweiz werden immer noch Hunde verspeist. Dass dies weiterhin so ist, beweist das Beispiel des 62-jährigen Bauern B.H. aus Gams: «Ja, ich esse die Tiere», sagte er gestern gegenüber 20 Minuten. Er sei aber jeweils nicht alleine. «Vier, fünf andere essen das Hundefleisch mit», so B.H. weiter.

Rund einmal pro Jahr isst er geräucherten Hund, früher war es öfter. «Ich brauche die Hunde auf dem Hof, taugen sie nichts, esse ich sie», sagt der Bauer. Dass er so unbeschwert über das heikle Thema plaudert, erstaunt. B.H. meint jedoch: «Was ich bereits gegessen habe, kann mir niemand mehr nehmen.» Seinen vollen Namen will er allerdings doch nicht in der Zeitung lesen: «Sonst rücken mir die Tierschützer auf die Pelle.»

Die Hundeesser aus der Ostschweiz

Bisher ist es ruhig geblieben, auch nach einem Interview im gestrigen «SonntagsBlick». Der St. Galler Kantonstierarzt Thomas Giger bestätigt, dass in der Ostschweiz auch heute noch Hundefleisch verspeist wird. «Allerdings sehr selten», so Giger. Es seien vor allem ältere Menschen, die dies tun.

Tierschützerin Edith Zellweger aus Salez, die schon lange gegen Hunde- und auch Katzenesser kämpft, sagt: «In ländlichen Gegenden der Schweiz ist dies leider immer noch üblich.»

*Name der Redaktion bekannt